Gäubahn: Vollsperrungen vermeiden – Schwerpunkt auf zweigleisigen Ausbau setzen
Veröffentlicht am 13.05.2025 in Landespolitik
In Neckarhausen endet das neu gebaute zweite Gleis der Gäubahn. Wann es weiter geht, ist ungewiss.
„Niemand nutzt freiwillig eine Bahnverbindung, die erst in 20 Jahren richtig funktio-niert,“ erklären die SPD-Abgeordneten Dr. Lina Seitzl (Bundestag) und Hans-Peter Storz (Landtag) zum aktuellen Planungsstand für die Gäubahn. Sie fordern daher von der Deutschen Bahn eine Änderung ihrer Ausbaustrategie. Jede der vielen bevorstehenden Aus- und Umbauphasen müssen so organisiert werden, dass die Fahrgäste erkennen: Auf zeitlich begrenzte Belastungen folgen unmittelbar danach spürbare Verbesserun-gen. Doch von diesem Ziel sei die Bahn derzeit weit entfernt, so die Abgeordneten aus dem Süden Baden-Württembergs.
Im Gegenteil: Mitte 2026 drohe bei der Zufahrt nach Stuttgart von Süden aus der Kol-laps des öffentlichen Verkehrs, so Storz und Seitzl. Denn zeitgleich zur Unterbrechung der Gäubahn in Stuttgart Vaihingen müsse auch die S-Bahn Stammstrecke in Stuttgart baustellenbedingt gesperrt werden. Wenn die von den Gäubahnzügen benutzte Pano-ramabahn nicht als Ausweichstrecke für die S-Bahn verfügbar sei, müssten alle Fahr-gäste in Vaihingen in die Stadtbahn und Busse umsteigen. „Uns fehlt die Phantasie wie diese Zahl an Reisenden bewältigt werden können“. Seitzl und Storz unterstützen da-her die Forderung des Verbands Region Stuttgart, dass der Damm der Panoramabahn erst dann abgebrochen werden dürfe, wenn die S-Bahn wieder ihren fahrplanmäßigen Betrieb aufgenommen habe.
„Es ist unglaubwürdig, über passagierfreundliche Ersatzlösungen für die Gäubahn-Kappung zu sprechen, wenn monatelange vollständige Unterbrechungen im Raum stehen,“ sagte die Konstanzer Bundestagsabgeordnete Lina Seitzl.
Hans-Peter Storz kritisiert die schleppende Ausbauperspektive für den knapp 70 Kilo-meter langen eingleisigen Abschnitt von Neckarhausen bei Horb bis nach Hattingen. Nach allen vorliegenden Informationen sei die Gäubahn in diesem Bereich vor 2045 nicht auf einem modernen Standard. Daher müsse die Bahn bei den Ausbauplanungen klare Prioritäten setzen. „Vorrang muss der zweigleisige Ausbau zwischen Sulz am Neckar und Oberdorf haben“, fordern Storz und Seitzl. Dieser sei lang genug, um nach Fertigstellung sofort verkehrswirksam zu werden. Außerdem könnten sich dadurch die Reisezeiten zwischen Singen und Stuttgart spürbar verkürzen, weil die Zweigleisigkeit einen Stundentakt der schnelleren IC-Verbindung ermöglicht.
Die Bahn sollte ihre Planer-Ressourcen auf der Gäubahn so konzentrieren, dass dieser Streckenabschnitt innerhalb der nächsten vier Jahre planfestgestellt werden kann und somit Baurecht erhält, fordern die beiden Abgeordneten. Damit würde die Bahn klare Prioritäten auf eine schnelle Umsetzung der wichtigsten Maßnahmen setzen.